Sanddorn-pflanzliche Vitamin B12 Quelle

sea-buckthorn-440791_1280Sanddorn ist eine der ganz wenigen pflanzlichen Vitamin B 12-Quellen

Lange Zeit ging die Ernährungsphysiologie als Wissenschaft davon aus, dass die besten Quellen für die Vitamin B12-Versorgung Nahrungsmittel tierischer Herkunft wie Milch, Leber und Fleisch seien. Sanddorn könnte die Ausnahmeerscheinung unter den Pflanzen sein. .Sanddorn kann jedoch aufgrund der Symbiose mit dem Mikroorganismus „Actinomyces“ in seinen  Samenschalen Vitamin B12-Konzentrationen bilden.
Durch eine Konzentration von bis zu 60 µg Vitamin B12 pro 100 g ist der B12-Gehalt in manchen Sanddorn-Pflanzen extrem hoch. Der Nachweis des B12-Gehaltes wurde mit dem ELISA-Test gemacht, welcher als zuverlässig gilt. Einiges spricht dafür, dass diese Analyseresultate zutreffend sind.

Vitamin B12: Versorgung bei vegetarischer und veganer Ernährung

Vitamin B12

Vitamin B12 wird von Mikroorganismen gebildet. Werden bei veganer Ernährung keine Nahrungsergänzungsmittel verwendet, droht schwerwiegende Unterversorgung. Vegetarisch-vegan lebende Menschen sollten ihre Vitamin-B12-Versorgung regelmäßig überprüfen lassen.

SOURCE: VEGETARIERBUND DEUTSCHLAND

Vitamin B12 wird von Mikroorganismen gebildet

Vitamin B12 wird auch Cobalamin genannt. Cobalamine können nur von Mikroorganismen (z. B. Bakterien) gebildet werden. In manchen Lebensmitteln kommen ähnliche chemische Verbindungen vor, die als Analoga bezeichnet werden. Auch diese werden von Mikroorganismen gebildet, haben jedoch keine Vitaminfunktion für den Menschen.

Arten von Vitamin B12

Alle Cobalamine haben eine bestimmte Grundstruktur, das Corrin mit einem zentralen Kobaltatom. Vitamin B12 ist die einzige bekannte biologische Substanz, die das Spurenelement Kobalt enthält. Je nachdem, welche Moleküle an das Kobaltatom gebunden sind, unterscheidet man u. a. die folgenden Cobalaminarten:

  • Adenosyl-Cobalamin (5′-Desoxyadenosylcobalamin, Coenzym B12)
  • Methyl-Cobalamin
  • Hydroxy-Cobalamin
  • Aquo-Cobalamin
  • Cyano-Cobalamin

Die ersten vier Cobalaminarten kommen natürlicherweise vor. Cyanocobalaminist die synthetische Form, die in den meisten Vitamin-B12-Präparaten verwendet wird. Die eigentliche Vitamin-B12-Wirksamkeit entfalten Adenosyl- und Methylcobalamin. Jedoch können die anderen genannten Cobalamine im Körper in die beiden aktiven Formen umgewandelt werden. Liegen weitere Veränderungen am Corringerüst vor, wie zusätzliche Seitenketten und fehlende Komponenten, handelt es sich um inaktive Vitamin-B12-Analoga.

Funktion von Vitamin B12

Vitamin B12 ist im menschlichen Körper an drei biochemischen Reaktionen beteiligt: dem Abbau der Aminosäure Homocystein, der Umwandlung von Methylmalonsäure sowie von Leucin. Vereinfacht gesagt spielt Vitamin B12 dadurch eine wichtige Rolle bei der DNA-Synthese und Zellteilung, der Blutbildung sowie der Funktion des Nervensystems (die Bedeutung der Leucinumwandlung ist bisher unklar).

Aufnahme von Vitamin B12

In vom Tier stammenden Lebensmitteln ist Vitamin B12 an Proteine gebunden. Aus diesen wird es im Magen unter Einwirkung der Magensäure herausgelöst. Nahrungsergänzungsmittel enthalten Cobalamin in freier Form. Damit das Vitamin anschließend vom Körper aufgenommen werden kann, muss es an den sogenannten „Intrinsic Factor“ gebunden werden. Dabei handelt es sich um ein Protein, das in den Zellen der Magenschleimhaut gebildet wird. Die eigentliche Aufnahme findet dann im unteren Dünndarm statt. Wird Vitamin B12 in sehr großen Mengen zugeführt, kann es aufgrund der Konzentrationsunterschiede auch ohne die Bindung an den Intrinsic Factor über den Magen-Darm-Trakt ins Blut gelangen. Der menschliche Körper verfügt über Vitamin-B12-Speicher, die gefüllt eine Reservekapazität von drei bis fünf Jahren aufweisen.

Zwar wird Vitamin B12 auch von Bakterien im menschlichen Dickdarm hergestellt. Da die Aufnahme jedoch in höheren Darmabschnitten, nämlich dem unteren Dünndarm, erfolgt, ist dieses „humane“ Cobalamin nicht nutzbar und somit auch keine Vitamin-B12-Quelle.

Vorkommen und Bioverfügbarkeit von Vitamin B12 in Lebensmitteln

In den meisten tierischen Lebensmitteln ist Vitamin B12 reichlich enthalten (Tabelle 1). Das mögliche, sehr geringe Vorkommen in Wurzel- und Knollengemüse sowie vergorenen Lebensmitteln wie Bier, Sauerkraut und fermentierten Sojaprodukten reicht nicht aus, um einen signifikanten Beitrag zur Vitamin-B12-Versorgung zu leisten. Zudem sind die von einigen Herstellern sowie in der Laienpresse behaupteten angeblichen Vitamin-B12-Gehalte dieser Lebensmittel durchweg nicht belegt. 1

 

Einzelne Meeresalgen, die traditionell in der asiatischen Küche verwendet werden (z. B. Nori), sowie die Süßwasser-Mikroalge Chlorella weisen in einzelnen Untersuchungen erhebliche Vitamin-B12-Mengen auf. Über die tatsächliche Nutzbarkeit des enthaltenen Vitamin B12 für den Menschen liegen jedoch bisher keine Ernährungsstudien vor. Die meisten Nahrungsergänzungsmittel auf Algenbasis enthalten ausschließlich oder überwiegend Analoga ohne Vitaminwirksamkeit.

Vitamin-B12-Gehalt verschiedener Lebensmittel 2

Lebensmittel Vitamin B12 (µg/100 g)
Rinderleber 65,0
Rindfleisch 5,0
Rotbarsch 3,8
Camembert (30 % Fett i. Tr.) 3,1
Emmentaler (45 % Fett i. Tr.) 3,0
Frischkäse, körnig 2,0
Hühnerei 1,9
Brie (50 % Fett i. Tr.) 1,7
Joghurt (3,5 % Fett i. Tr.) 0,4
Kuhmilch (3,5 % Fett i. Tr.) 0,4

Mit Vitamin B12 angereicherte Nahrungsmittel reichen nicht aus

Einige Lebensmittel werden mit Vitamin B12 angereichert. Dazu zählen verschiedene Sojaprodukte, Müsli und Cornflakes, Fruchtsäfte sowie Fleischalternativen. Vegan lebende Menschen können mit diesen pflanzlichen Lebensmitteln, abhängig vom Vitamin-B12-Gehalt, ihre Cobalaminzufuhr verbessern. In Deutschland enthalten die angereicherten Produkte jedoch meist zu geringe Vitamin-B12-Mengen, um dadurch den Tagesbedarf vollständig zu decken. Außerdem ist zu beachten, dass Bio-Produkte im Gegensatz zu konventionellen Produkten nicht mit Vitamin B12 angereichert werden dürfen. Vegane Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung enthalten demnach kein Cobalamin.

Vitamin-B12-Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 3 µg Vitamin B12. 3 Ein Mangel an Cobalamin hat Störungen der Zellteilung im gesamten Organismus zur Folge. Betroffen sind vor allem Zellen, die rote Blutkörperchen bilden sowie Zellen der Mund- und Rachenschleimhäute und des Nervensystems.

Vitamin-B12-Mangel

Typisches Symptom des Vitamin-B12-Mangels ist eine bestimmte Form der Blutarmut, bei der die roten Blutkörperchen abnorm vergrößert sind (megaloblastäre Anämie). Charakteristische Anzeichen sind blasse Haut und Schleimhäute, Rückbildungen der Mund-, Zungen- und Darmschleimhäute mit nachfolgender Beeinträchtigung der Nährstoffaufnahme sowie unspezifische Symptome wie allgemeine Schwäche, Ermüdbarkeit und Schwindel.

Wesentlich schwerwiegender als die gestörte Blutbildung ist die zweite Symptomgruppe des Cobalaminmangels. Hier kommt es zu Schädigungen des zentralen Nervensystems, was sich in Sensibilitätsstörungen (z. B. „Ameisenkribbeln“ an Händen, Füßen und anderen Körperteilen), Appetitmangel, Schwäche von Reflexen und Bewegung, Störungen der Bewegungskoordination sowie psychiatrischen Störungen, wie Verwirrung, Halluzinationen, Gedächtnisstörungen bis hin zu Psychosen, äußern kann.

Beide Symptomgruppen können unabhängig voneinander auftreten. Das Problematische bei einer Vitamin-B12-bedingten Blutarmut ist, dass sie durch eine hohe Zufuhr von Folat – etwa bei vegetarischer oder veganer Ernährung – verzögert oder „maskiert“ werden kann, da beide Vitamine bei der Zellteilung zusammenwirken. Gleichzeitig schreiten aber die neurologischen Veränderungen fort, sodass es zu bleibenden Schäden am zentralen Nervensystem kommen kann.

Eine Unterversorgung mit Vitamin B12 führt außerdem zu erhöhten Blutkonzentrationen an Homocystein, die einen Risikofaktor für die Entstehung von Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.

Vitamin-B12-Mangel bei älteren Menschen

Im Alter bedingt ein Vitamin-B12-Mangel einen schnelleren Abfall der Gedächtnisleistungen und damit möglicherweise ein höheres Demenzrisiko. Ältere Menschen sind unabhängig von der Ernährungsweise häufiger von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen. Ursache ist meist eine chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung), die dazu führt, dass weniger Magensäure gebildet wird und somit Vitamin B12 nicht ausreichend aus den Nahrungsproteinen herausgelöst werden kann.

Bestimmung der Vitamin-B12-Versorgung

Aufgrund der großen Körperspeicher kann es Jahre dauern, bis sich klinische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels zeigen. Der Versorgungszustand mit Vitamin B12 lässt sich jedoch frühzeitig anhand von Blutanalysen bestimmen. Dabei sollten verschiedene Messwerte des Cobalaminstoffwechsels, insbesondere das Holo-Transcobalamin II (Holo-TC), untersucht werden (Tabelle 2).

Die alleinige Bestimmung des Vitamin-B12-Gehalts im Blut ist nicht geeignet, um den Versorgungszustand sicher zu beurteilen. Auch bei Personen mit Vitamin-B12-Spiegeln im unteren Referenzbereich (≥ 156-400 pmol/l) können klinische Zeichen eines Vitamin-B12-Mangels auftreten. Zudem kann auch bei normalen Vitamin-B12-Werten im Blut bereits in den Körperzellen ein funktioneller Vitamin-B12-Mangel vorliegen. Der früheste Indikator für einen Mangel sind erniedrigte Holo-TC-Werte. Dieses Transportprotein bindet Vitamin B12 und macht es den Körperzellen verfügbar.

Blutmarker zur Bestimmung der Vitamin-B12-Versorgung 4

Marker Mangel bei
Holo-Transcobalamin II (Holo-TC) < 35 pmol/l
Methylmalonylsäure (MMA) > 271 nmol/l
Homocystein > 12 μmol/l

Vitamin-B12-Versorgung bei Vegetariern und Veganern

Mit einer lakto-(ovo-)vegetarischen Ernährung kann ausreichend Vitamin B12zugeführt werden. Vegetarier nehmen mit durchschnittlich 1,7 bis 2,5 μg täglich jedoch deutlich weniger Cobalamin auf als Fleischesser (5-7 μg pro Tag). 5, 6Werden bei veganer Ernährung keine Nahrungsergänzungsmittel oder mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel verwendet, liegt die rechnerische Vitamin-B12-Zufuhr bei 0 μg pro Tag.

Entsprechend weisen Veganer in vielen Studien eine unzureichende Vitamin-B12-Versorgung auf. 7, 8, 9 Aber auch viele Lakto-(Ovo-)Vegetarier sind nicht ausreichend mit Vitamin B12 versorgt. In einer Studie wiesen 65 % der lakto-(ovo-)vegetarisch und 83 % der vegan lebenden Teilnehmer einen erheblichen Cobalaminmangel auf. 10 Die Deutsche Vegan-Studie zeigte, dass mit zunehmender Dauer der veganen Ernährung die Blutkonzentrationen an Vitamin B12kontinuierlich sanken. 11

Entsprechend sollten Veganer die ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 über angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, z. B. Tabletten oder Tropfen, oder Vitamin-B12-Zahncreme sicherstellen. Schwangere Veganerinnenund stillende Veganerinnen sollten besonders auf eine adäquate Zufuhr achten, um die Vitamin-B12-Versorgung ihrer Kinder zu sichern.

Empfehlung der Vegan Society

  • 2–3-mal täglich mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel zu essen, die insgesamt 3 μg Vitamin B12 liefern oder
  • 1-mal täglich ein Vitamin B12 Supplement mit mindestens 10 μg Vitamin B12einzunehmen oder
  • 1-mal wöchentlich ein Vitamin B12 Supplement mit 2.000 μg Vitamin B12einzunehmen

Fazit

  • – Lakto-(Ovo-)Vegetarier können ihren Bedarf an Vitamin B12 durch den Verzehr von Milch, Milchprodukten und Eiern decken.
  • – Veganer können mit herkömmlichen pflanzlichen Lebensmitteln keine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 erreichen.
  • – Der Verzehr von fermentierten Produkten, Algen und Lebensmitteln, die mit Bodenbakterien kontaminiert sind, kann eine sichere Vitamin-B12-Versorgung nicht gewährleisten.
  • – Zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Vitamin-B12-Zufuhr bei veganer Ernährung ist die regelmäßige Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln (und/oder angereicherten Lebensmitteln) oder Vitamin-B12-Zahncremenotwendig.
  • – Veganer, aber auch Lakto-(Ovo-)Vegetarier, sollten ihre Vitamin-B12-Versorgung regelmäßig untersuchen lassen.

Dr. Markus Keller (unter Mitarbeit von Franka Schmidt)

Cover Vegetarische Ernährung - Claus Leitzmann und Markus Keller

Quelle

Claus Leitzmann und Markus Keller
Vegetarische Ernährung
Ulmer 2013 (3. aktualisierte Auflage), 380 Seiten, 22,99 €
ISBN 978-3-8252-3873-5

Literatur

1 Berger I (2009): Vitamin-B12-Mangel bei veganer Ernährung: Mythen und Realitäten aufgezeigt anhand einer empirischen Studie. Ibidem, Stuttgart, S. 34-55

2 Elmadfa I, Aign W, Muskat E, Fritzsche D (2007): Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Neuausgabe 2006/07. Gräfe und Unzer, München

3 DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), ÖGE (Österreichische Gesellschaft für Ernährung), SGE (Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung), SVE (Schweizerische Vereinigung für Ernährung) (Hrsg) (2008): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 3. korr. Nachdruck, S. 131

4 Herrmann W, Obeid R (2008): Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin-B12-Mangel. Dtsch Arztebl 105 (40), 680-5

5 Davey GK, Spencer EA, Appleby PN, Allen NE et al. (2003): EPIC-Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31 546 non meat-eaters in the UK. Public Health Nutr 6 (3), 259-69

6 Koebnick C, Hoffmann I, Dagnelie PC, Heins UA et al. (2004): Long-term ovo-lacto vegetarian diet impairs vitamin B12 status in pregnant women. J Nutr 134 (12), 3319-26

7 Krajcovicová-Kudlácková M, Blazícek P, Kopcová J, Béderová A, Babinská K (2000): Homocysteine levels in vegetarians versus omnivores. Ann Nutr Metab 44 (3), 135-8

8 Majchrzak D, Singer I, Männer M, Rust P et al. (2006): B-vitamin status and concentrations of homocysteine in Austrian omnivores, vegetarians and vegans. Ann Nutr Metab 50 (6), 485-91

9 Elmadfa I, Singer I (2009): Vitamin B12 and homocysteine status among vegetarians: a global perspective. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1693S-1698S

10 Herrmann W, Schorr H, Obeid R, Geisel J (2003): Vitamin B12 status, particularly holotranscobalamin II and methylmalonic acid concentrations, and hyperhomocysteinemia in vegetarians. Am J Clin Nutr 78 (1), 131-6

11 Hahn A, Waldmann A (2004): Gesund mit reiner Pflanzenkost? Unimagazin Hannover, Forschungsmagazin der Universität Hannover 1/2, 6-9

Bildquelle: freepik.com / hisks

Neu entdeckte Substanz hemmt Wachstum von Krebsgeschwulsten

Einer der Rädelsführer beim ungehemmten Wachstum von Krebszellen ist ein Eiweißstoff namens “Myc”. Innsbrucker Forscher haben nun in einem internationalen Team bei einer groß angelegten “Suchaktion” eine neue Substanz gefunden, die seine Aktivitäten stört und damit das Tumorwachstum im Maus-Modell stoppt. Die Studie wurde aktuell in der Fachzeitschrift “PNAS” veröffentlicht.

Myc reguliert in gesunden Zellen, wie oft wachstumsfördernde und -hemmende Gene vom Erbgut abgelesen werden. Bei fast allen Krebsarten beim Menschen ist seine Aktivität erhöht, was das Wachstum und die Vermehrung der Tumorzellen beschleunigt. Darum werden große Anstrengungen unternommen, um Myc in Krebszellen zu hemmen, erklärte Klaus Bister vom Institut für Biochemie der Universität Innsbruck im Gespräch mit der APA.

Vielversprechende Substanz gefunden

Die Forscher unter der Leitung von Peter Vogt und Kim Janda vom Scripps Research Institute in Kalifornien (USA) suchten Substanzen, die verhindern, dass Myc mit seinem Partner “Max” zusammenkommt, um gemeinsam an festgelegte Stellen im Erbgut anzudocken und bestimmte Zielgene zu aktivieren. Unter Hunderten Substanzen, die in einer “Molekül-Bibliothek” zur Verfügung standen, fanden sie vier, die die Bindung von Myc, Max und der Ziel-DNA störten. Die vielversprechendste namens “KJ-Pyr-9″ untersuchten sie genauer.

Stoppt Verbindung mit gefährlichem Eiweißstoff

Dabei fanden sie heraus, dass KJ-Pyr-9 tatsächlich die “Myc-Max-Liaison” behindert und die Zielgene bei Zugabe dieser Substanz nicht länger hoch-reguliert waren. Sie konnte auch verhindern, dass tierische Zellen im Laborexperiment durch gesteigerte Myc-Aktivität zu Krebszellen transformiert wurden.

Tumorzellen hörten auf zu wachsen

Schließlich gelang es ihnen, mit KJ-Pyr-9 das Wachstum menschlicher Tumorzellen zu stoppen: Krebsgeschwulste, die in Mäusen nach der Injektion von menschlichen Brustkrebszellen wucherten, hörten am achten Tag der Behandlung mit KJ-Pyr-9 auf zu wachsen.

Source: VOL.AT

Experimentierfeld lebendes Gehirn

 

Bis heute fehlt eine allgemein akzeptierte Theorie der Großhirnrinde. Dieses Ziel ist nach Meinung des profilierten Neurowissenschaftlers Wolf Singer ohne verbesserte Messinstrumente für die Untersuchung am lebenden Organismus nicht zu erreichen. Bisher gibt es noch keine geeignete Maschine, die die Vorgänge im lebenden Gehirn gleichzeitig räumlich und zeitlich in hoher Präzision erfassen könnte. Hier sieht Singer, wie er in unserem Interview sagt, noch erheblichen Entwicklungsbedarf.

Das europäische Human Brain Project, kurz HBP, ist mit einem Budget von mehr als einer Milliarde Euro angetreten, das internationale Wissen um die neuronalen Prozesse im Gehirn auf einer Plattform zu bündeln und der Wissenschafts-Community der Hirnforscher unterschiedlichster Provenienz verfügbar zu machen. Die Frage stellt sich dabei, ob wir schon genügend relevantes Wissen haben, das gebündelt werden könnte oder müsste. Die Meinungen dazu gehen reichlich auseinander.

SOURCE: hyperraum.tv

 

Immunzellen reparieren Muskeln nach Überbelastung

Die belastungsbedingte Schädigung der Skelettmuskulatur ist eine wesentliche Einflussgröße für die Mobilisierung der Immunzellen in der Blutzirkulation

Wien – Das Immunsystem kämpft nicht nur gegen Krankheitserreger, sondern hilft auch Muskelschäden auszubessern, die etwa beim Laufen oder Radfahren entstehen. Wiener Forscher haben nun herausgefunden, dass Muskel- und Immunzellen tagelang zusammenarbeiten, damit die Muskeln repariert, verstärkt und an die Belastung angepasst werden, berichten sie im Fachblatt “Journal of Applied Physiology”.

Ausdauerbelastungen wie Triathlon-Wettkämpfe sind nicht nur sportliche Herausforderungen, sie eignen sich auch zur Erforschung physiologischer Mechanismen.

Zunächst fanden die Forscher der Universität Wien im Blut von Ironman-Teilnehmern Hinweise, dass belastungsbedingte Schäden der Skelettmuskeln vor allem weiße Blutkörperchen (neutrophile Leukozyten) auf den Plan rufen und ihre Mobilisierung in die Blutzirkulation beeinflussen, erklärt Oliver Neubauer vom Department für Ernährungswissenschaften.

Die Wissenschaftler ließen in ihrer Studie acht junge Sportler je zwei Stunden lang am Laufband und Fahrrad-Ergometer trainieren. Insgesamt vier Mal wurden den Probanden Blutproben und Muskelbiopsien entnommen. – Einmal im Ruhezustand vor der körperlichen Aktivität sowie drei, 48 und 96 Stunden nach der Rad-Lauf-Kombination. Mittels Gen-Chips untersuchten die Forscher die Aktivitäten von 27.000 Genen in den Muskelzellen und den weißen Blutkörperchen.

Immunzellen kommunizieren

Es zeigte sich, dass bestimmte Gene in den weißen Blutkörperchen durch Muskelproteine angeschaltet werden, die in den Blutkreislauf übergetreten sind. Man habe auch Hinweise auf einen neuen Signalweg gefunden, über den die weißen Blutkörperchen rasch dafür sorgen, dass nicht der ganze Körper mit einer Entzündungsreaktion antwortet.

“Während auf Organismus-Ebene Entwarnung gegeben wird, wandern Neutrophile gemeinsam mit Monozyten in die Muskulatur ein”, erklären die Forscher. Die Genaktivitäten in den Muskelzellen würden zeigen, dass die weißen Blutkörperchen dort bis zu vier Tage nach einer Ausdauerbelastung aktiv sein können und die muskuläre Regeneration somit nicht so schnell abgeschlossen ist. “DieImmunzellen kommunizieren mit Hilfe von Chemokinen (kleine Signalproteine; Anm.) mit dem Muskelgewebe und sind entscheidend an Reparatur, Neubildung und Adaption der Muskulatur beteiligt”, so Studienleiter Neubauer.

“Die Ergebnisse untermauern, dass eine moderate Muskelschädigung nach einer Ausdauerbelastung zu nachhaltigen Interaktionen zwischen Immunzellen und Muskulatur führt”, resümiert der Forscher.

Source: standard.at

Ältere Menschen nehmen häufig zu viel Nahrungsergänzung ein

Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin-Tabletten und Magnesium werden häufig “einfach so” eingenommen – und dabei überdosiert. Inspiriert von der Werbung, nimmt jede zweite Frau und jeder dritte Mann ab 65 Nahrungsergänzungsmittel zu sich – Magnesium und Vitamin E werden oft überdosiert

pillen-arzneimittel-tablettenMünchen – Viele ältere Menschen nehmen durch Vitamin- und Mineralstoffpräparate deutlich zu viel Magnesium und Vitamin E zu sich. Dies fanden Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in einer bevölkerungsbasierten Studie heraus. Sie untersuchten, wie häufig ältere Menschen ergänzende Nährstoffe, sogenannte Supplemente, zu sich nehmen und welche Inhaltstoffe dabei in welchen Dosen zugeführt werden.

Häufige Supplemente

Grundlage der analysierten Daten ist die “KORA-Age”-Studie, die den Zusammenhang zwischen Lebensstilfaktoren und dem Gesundheitszustand von Personen im Alter von 65 Jahren oder älter im Raum Augsburg untersucht. Etwa 54 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer über 64 Jahre nehmen ergänzende Nährstoffe, wie Vitamine, Mineralstoffe, oder sonstige Stoffe (etwa Omega-3 Fettsäuren oder Coenzym Q10) in Form von Supplementen (Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel) ein.

Die Einnahmehäufigkeit hängt dabei neben dem Geschlecht auch mit der Bildung, der körperlichen Aktivität, dem Rauchverhalten und dem Vorliegen einer neurologischen Erkrankung zusammen. Bei Frauen sind die am häufigsten supplementierten Inhaltsstoffe Magnesium und Vitamin D, bei den Männern sind es Magnesium und Vitamin E.

Zu hohe Dosen

Für beide Geschlechter wurde beobachtet, dass die zugeführten Dosen an Magnesium und Vitamin E dabei die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit angegebenen tolerierbaren Tageshöchstmengen häufig überschreiten.

Bei 20 Prozent der weiblichen, 33 Prozent der männlichen Teilnehmer, die regelmäßig Magnesium einnehmen sowie bei acht beziehungsweise 14 Prozent der Teilnehmer, die Vitamin E regelmäßig zuführen, waren die verabreichten Supplement-Mengen zu hoch. Vitamin D dagegen, dessen Supplementation in dieser Altersgruppe häufig medizinisch empfohlen wird, da es unter anderem den Knochenstoffwechsel positiv beeinflusst, wurde insgesamt von relativ wenigen alten Menschen eingenommen, berichten die Wissenschaftler.

“Aktuelle und bevölkerungsbasierte Daten zur Einnahme von Supplementen bei älteren Menschen fehlen weitgehend für Europa. Dennoch ist diese Bevölkerungsgruppe aufgrund von altersbedingten Nährstoffdefiziten von besonderem Interesse”, sagt die Münchner Epidemiologin Annette Peters. “Einen großen Einfluss bei der Auswahl der Präparate scheinen Industrie und Werbung zu haben. Ergebnisse wie diese sind daher wichtig, um sinnvolle Empfehlungen zur Nahrungsergänzung im Alter abgeben zu können.”

Source: standard.at

Original-Publikation:
Schwab, S. et al. (2013), The Use of Dietary Supplements among Older Persons in Southern Germany – Results from the KORA-Age Study. The Journal of Nutrition, Health and Aging; 10.1007/s12603-013-0418-8