Vitamin B12: Versorgung bei vegetarischer und veganer Ernährung

Vitamin B12

Vitamin B12 wird von Mikroorganismen gebildet. Werden bei veganer Ernährung keine Nahrungsergänzungsmittel verwendet, droht schwerwiegende Unterversorgung. Vegetarisch-vegan lebende Menschen sollten ihre Vitamin-B12-Versorgung regelmäßig überprüfen lassen.

SOURCE: VEGETARIERBUND DEUTSCHLAND

Vitamin B12 wird von Mikroorganismen gebildet

Vitamin B12 wird auch Cobalamin genannt. Cobalamine können nur von Mikroorganismen (z. B. Bakterien) gebildet werden. In manchen Lebensmitteln kommen ähnliche chemische Verbindungen vor, die als Analoga bezeichnet werden. Auch diese werden von Mikroorganismen gebildet, haben jedoch keine Vitaminfunktion für den Menschen.

Arten von Vitamin B12

Alle Cobalamine haben eine bestimmte Grundstruktur, das Corrin mit einem zentralen Kobaltatom. Vitamin B12 ist die einzige bekannte biologische Substanz, die das Spurenelement Kobalt enthält. Je nachdem, welche Moleküle an das Kobaltatom gebunden sind, unterscheidet man u. a. die folgenden Cobalaminarten:

  • Adenosyl-Cobalamin (5′-Desoxyadenosylcobalamin, Coenzym B12)
  • Methyl-Cobalamin
  • Hydroxy-Cobalamin
  • Aquo-Cobalamin
  • Cyano-Cobalamin

Die ersten vier Cobalaminarten kommen natürlicherweise vor. Cyanocobalaminist die synthetische Form, die in den meisten Vitamin-B12-Präparaten verwendet wird. Die eigentliche Vitamin-B12-Wirksamkeit entfalten Adenosyl- und Methylcobalamin. Jedoch können die anderen genannten Cobalamine im Körper in die beiden aktiven Formen umgewandelt werden. Liegen weitere Veränderungen am Corringerüst vor, wie zusätzliche Seitenketten und fehlende Komponenten, handelt es sich um inaktive Vitamin-B12-Analoga.

Funktion von Vitamin B12

Vitamin B12 ist im menschlichen Körper an drei biochemischen Reaktionen beteiligt: dem Abbau der Aminosäure Homocystein, der Umwandlung von Methylmalonsäure sowie von Leucin. Vereinfacht gesagt spielt Vitamin B12 dadurch eine wichtige Rolle bei der DNA-Synthese und Zellteilung, der Blutbildung sowie der Funktion des Nervensystems (die Bedeutung der Leucinumwandlung ist bisher unklar).

Aufnahme von Vitamin B12

In vom Tier stammenden Lebensmitteln ist Vitamin B12 an Proteine gebunden. Aus diesen wird es im Magen unter Einwirkung der Magensäure herausgelöst. Nahrungsergänzungsmittel enthalten Cobalamin in freier Form. Damit das Vitamin anschließend vom Körper aufgenommen werden kann, muss es an den sogenannten „Intrinsic Factor“ gebunden werden. Dabei handelt es sich um ein Protein, das in den Zellen der Magenschleimhaut gebildet wird. Die eigentliche Aufnahme findet dann im unteren Dünndarm statt. Wird Vitamin B12 in sehr großen Mengen zugeführt, kann es aufgrund der Konzentrationsunterschiede auch ohne die Bindung an den Intrinsic Factor über den Magen-Darm-Trakt ins Blut gelangen. Der menschliche Körper verfügt über Vitamin-B12-Speicher, die gefüllt eine Reservekapazität von drei bis fünf Jahren aufweisen.

Zwar wird Vitamin B12 auch von Bakterien im menschlichen Dickdarm hergestellt. Da die Aufnahme jedoch in höheren Darmabschnitten, nämlich dem unteren Dünndarm, erfolgt, ist dieses „humane“ Cobalamin nicht nutzbar und somit auch keine Vitamin-B12-Quelle.

Vorkommen und Bioverfügbarkeit von Vitamin B12 in Lebensmitteln

In den meisten tierischen Lebensmitteln ist Vitamin B12 reichlich enthalten (Tabelle 1). Das mögliche, sehr geringe Vorkommen in Wurzel- und Knollengemüse sowie vergorenen Lebensmitteln wie Bier, Sauerkraut und fermentierten Sojaprodukten reicht nicht aus, um einen signifikanten Beitrag zur Vitamin-B12-Versorgung zu leisten. Zudem sind die von einigen Herstellern sowie in der Laienpresse behaupteten angeblichen Vitamin-B12-Gehalte dieser Lebensmittel durchweg nicht belegt. 1

 

Einzelne Meeresalgen, die traditionell in der asiatischen Küche verwendet werden (z. B. Nori), sowie die Süßwasser-Mikroalge Chlorella weisen in einzelnen Untersuchungen erhebliche Vitamin-B12-Mengen auf. Über die tatsächliche Nutzbarkeit des enthaltenen Vitamin B12 für den Menschen liegen jedoch bisher keine Ernährungsstudien vor. Die meisten Nahrungsergänzungsmittel auf Algenbasis enthalten ausschließlich oder überwiegend Analoga ohne Vitaminwirksamkeit.

Vitamin-B12-Gehalt verschiedener Lebensmittel 2

Lebensmittel Vitamin B12 (µg/100 g)
Rinderleber 65,0
Rindfleisch 5,0
Rotbarsch 3,8
Camembert (30 % Fett i. Tr.) 3,1
Emmentaler (45 % Fett i. Tr.) 3,0
Frischkäse, körnig 2,0
Hühnerei 1,9
Brie (50 % Fett i. Tr.) 1,7
Joghurt (3,5 % Fett i. Tr.) 0,4
Kuhmilch (3,5 % Fett i. Tr.) 0,4

Mit Vitamin B12 angereicherte Nahrungsmittel reichen nicht aus

Einige Lebensmittel werden mit Vitamin B12 angereichert. Dazu zählen verschiedene Sojaprodukte, Müsli und Cornflakes, Fruchtsäfte sowie Fleischalternativen. Vegan lebende Menschen können mit diesen pflanzlichen Lebensmitteln, abhängig vom Vitamin-B12-Gehalt, ihre Cobalaminzufuhr verbessern. In Deutschland enthalten die angereicherten Produkte jedoch meist zu geringe Vitamin-B12-Mengen, um dadurch den Tagesbedarf vollständig zu decken. Außerdem ist zu beachten, dass Bio-Produkte im Gegensatz zu konventionellen Produkten nicht mit Vitamin B12 angereichert werden dürfen. Vegane Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung enthalten demnach kein Cobalamin.

Vitamin-B12-Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 3 µg Vitamin B12. 3 Ein Mangel an Cobalamin hat Störungen der Zellteilung im gesamten Organismus zur Folge. Betroffen sind vor allem Zellen, die rote Blutkörperchen bilden sowie Zellen der Mund- und Rachenschleimhäute und des Nervensystems.

Vitamin-B12-Mangel

Typisches Symptom des Vitamin-B12-Mangels ist eine bestimmte Form der Blutarmut, bei der die roten Blutkörperchen abnorm vergrößert sind (megaloblastäre Anämie). Charakteristische Anzeichen sind blasse Haut und Schleimhäute, Rückbildungen der Mund-, Zungen- und Darmschleimhäute mit nachfolgender Beeinträchtigung der Nährstoffaufnahme sowie unspezifische Symptome wie allgemeine Schwäche, Ermüdbarkeit und Schwindel.

Wesentlich schwerwiegender als die gestörte Blutbildung ist die zweite Symptomgruppe des Cobalaminmangels. Hier kommt es zu Schädigungen des zentralen Nervensystems, was sich in Sensibilitätsstörungen (z. B. „Ameisenkribbeln“ an Händen, Füßen und anderen Körperteilen), Appetitmangel, Schwäche von Reflexen und Bewegung, Störungen der Bewegungskoordination sowie psychiatrischen Störungen, wie Verwirrung, Halluzinationen, Gedächtnisstörungen bis hin zu Psychosen, äußern kann.

Beide Symptomgruppen können unabhängig voneinander auftreten. Das Problematische bei einer Vitamin-B12-bedingten Blutarmut ist, dass sie durch eine hohe Zufuhr von Folat – etwa bei vegetarischer oder veganer Ernährung – verzögert oder „maskiert“ werden kann, da beide Vitamine bei der Zellteilung zusammenwirken. Gleichzeitig schreiten aber die neurologischen Veränderungen fort, sodass es zu bleibenden Schäden am zentralen Nervensystem kommen kann.

Eine Unterversorgung mit Vitamin B12 führt außerdem zu erhöhten Blutkonzentrationen an Homocystein, die einen Risikofaktor für die Entstehung von Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.

Vitamin-B12-Mangel bei älteren Menschen

Im Alter bedingt ein Vitamin-B12-Mangel einen schnelleren Abfall der Gedächtnisleistungen und damit möglicherweise ein höheres Demenzrisiko. Ältere Menschen sind unabhängig von der Ernährungsweise häufiger von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen. Ursache ist meist eine chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung), die dazu führt, dass weniger Magensäure gebildet wird und somit Vitamin B12 nicht ausreichend aus den Nahrungsproteinen herausgelöst werden kann.

Bestimmung der Vitamin-B12-Versorgung

Aufgrund der großen Körperspeicher kann es Jahre dauern, bis sich klinische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels zeigen. Der Versorgungszustand mit Vitamin B12 lässt sich jedoch frühzeitig anhand von Blutanalysen bestimmen. Dabei sollten verschiedene Messwerte des Cobalaminstoffwechsels, insbesondere das Holo-Transcobalamin II (Holo-TC), untersucht werden (Tabelle 2).

Die alleinige Bestimmung des Vitamin-B12-Gehalts im Blut ist nicht geeignet, um den Versorgungszustand sicher zu beurteilen. Auch bei Personen mit Vitamin-B12-Spiegeln im unteren Referenzbereich (≥ 156-400 pmol/l) können klinische Zeichen eines Vitamin-B12-Mangels auftreten. Zudem kann auch bei normalen Vitamin-B12-Werten im Blut bereits in den Körperzellen ein funktioneller Vitamin-B12-Mangel vorliegen. Der früheste Indikator für einen Mangel sind erniedrigte Holo-TC-Werte. Dieses Transportprotein bindet Vitamin B12 und macht es den Körperzellen verfügbar.

Blutmarker zur Bestimmung der Vitamin-B12-Versorgung 4

Marker Mangel bei
Holo-Transcobalamin II (Holo-TC) < 35 pmol/l
Methylmalonylsäure (MMA) > 271 nmol/l
Homocystein > 12 μmol/l

Vitamin-B12-Versorgung bei Vegetariern und Veganern

Mit einer lakto-(ovo-)vegetarischen Ernährung kann ausreichend Vitamin B12zugeführt werden. Vegetarier nehmen mit durchschnittlich 1,7 bis 2,5 μg täglich jedoch deutlich weniger Cobalamin auf als Fleischesser (5-7 μg pro Tag). 5, 6Werden bei veganer Ernährung keine Nahrungsergänzungsmittel oder mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel verwendet, liegt die rechnerische Vitamin-B12-Zufuhr bei 0 μg pro Tag.

Entsprechend weisen Veganer in vielen Studien eine unzureichende Vitamin-B12-Versorgung auf. 7, 8, 9 Aber auch viele Lakto-(Ovo-)Vegetarier sind nicht ausreichend mit Vitamin B12 versorgt. In einer Studie wiesen 65 % der lakto-(ovo-)vegetarisch und 83 % der vegan lebenden Teilnehmer einen erheblichen Cobalaminmangel auf. 10 Die Deutsche Vegan-Studie zeigte, dass mit zunehmender Dauer der veganen Ernährung die Blutkonzentrationen an Vitamin B12kontinuierlich sanken. 11

Entsprechend sollten Veganer die ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 über angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, z. B. Tabletten oder Tropfen, oder Vitamin-B12-Zahncreme sicherstellen. Schwangere Veganerinnenund stillende Veganerinnen sollten besonders auf eine adäquate Zufuhr achten, um die Vitamin-B12-Versorgung ihrer Kinder zu sichern.

Empfehlung der Vegan Society

  • 2–3-mal täglich mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel zu essen, die insgesamt 3 μg Vitamin B12 liefern oder
  • 1-mal täglich ein Vitamin B12 Supplement mit mindestens 10 μg Vitamin B12einzunehmen oder
  • 1-mal wöchentlich ein Vitamin B12 Supplement mit 2.000 μg Vitamin B12einzunehmen

Fazit

  • – Lakto-(Ovo-)Vegetarier können ihren Bedarf an Vitamin B12 durch den Verzehr von Milch, Milchprodukten und Eiern decken.
  • – Veganer können mit herkömmlichen pflanzlichen Lebensmitteln keine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 erreichen.
  • – Der Verzehr von fermentierten Produkten, Algen und Lebensmitteln, die mit Bodenbakterien kontaminiert sind, kann eine sichere Vitamin-B12-Versorgung nicht gewährleisten.
  • – Zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Vitamin-B12-Zufuhr bei veganer Ernährung ist die regelmäßige Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln (und/oder angereicherten Lebensmitteln) oder Vitamin-B12-Zahncremenotwendig.
  • – Veganer, aber auch Lakto-(Ovo-)Vegetarier, sollten ihre Vitamin-B12-Versorgung regelmäßig untersuchen lassen.

Dr. Markus Keller (unter Mitarbeit von Franka Schmidt)

Cover Vegetarische Ernährung - Claus Leitzmann und Markus Keller

Quelle

Claus Leitzmann und Markus Keller
Vegetarische Ernährung
Ulmer 2013 (3. aktualisierte Auflage), 380 Seiten, 22,99 €
ISBN 978-3-8252-3873-5

Literatur

1 Berger I (2009): Vitamin-B12-Mangel bei veganer Ernährung: Mythen und Realitäten aufgezeigt anhand einer empirischen Studie. Ibidem, Stuttgart, S. 34-55

2 Elmadfa I, Aign W, Muskat E, Fritzsche D (2007): Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Neuausgabe 2006/07. Gräfe und Unzer, München

3 DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), ÖGE (Österreichische Gesellschaft für Ernährung), SGE (Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung), SVE (Schweizerische Vereinigung für Ernährung) (Hrsg) (2008): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 3. korr. Nachdruck, S. 131

4 Herrmann W, Obeid R (2008): Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin-B12-Mangel. Dtsch Arztebl 105 (40), 680-5

5 Davey GK, Spencer EA, Appleby PN, Allen NE et al. (2003): EPIC-Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31 546 non meat-eaters in the UK. Public Health Nutr 6 (3), 259-69

6 Koebnick C, Hoffmann I, Dagnelie PC, Heins UA et al. (2004): Long-term ovo-lacto vegetarian diet impairs vitamin B12 status in pregnant women. J Nutr 134 (12), 3319-26

7 Krajcovicová-Kudlácková M, Blazícek P, Kopcová J, Béderová A, Babinská K (2000): Homocysteine levels in vegetarians versus omnivores. Ann Nutr Metab 44 (3), 135-8

8 Majchrzak D, Singer I, Männer M, Rust P et al. (2006): B-vitamin status and concentrations of homocysteine in Austrian omnivores, vegetarians and vegans. Ann Nutr Metab 50 (6), 485-91

9 Elmadfa I, Singer I (2009): Vitamin B12 and homocysteine status among vegetarians: a global perspective. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1693S-1698S

10 Herrmann W, Schorr H, Obeid R, Geisel J (2003): Vitamin B12 status, particularly holotranscobalamin II and methylmalonic acid concentrations, and hyperhomocysteinemia in vegetarians. Am J Clin Nutr 78 (1), 131-6

11 Hahn A, Waldmann A (2004): Gesund mit reiner Pflanzenkost? Unimagazin Hannover, Forschungsmagazin der Universität Hannover 1/2, 6-9

Bildquelle: freepik.com / hisks

Gesunde Kinder = glückliche Kinder

In den letzten Jahrzehnten haben Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern stark zugenommen. Dadurch steigt ihr Risiko, später im Leben chronische Krankheiten zu entwickeln. Viele Kinder nehmen zu viele Kalorien zu sich – in Form von zu viel Fett, Zucker und industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Ebenso verbringen sie übermäßig viel Zeit vor dem Bildschirm. All dies hat einen negativen Einfluss auf ihre körperliche und geistige Gesundheit. Um das Gewicht im Griff zu behalten, benötigen Kinder ausreichend Schlaf und täglich mindestens eine Stunde körperliche Aktivität. Ihre Ernährung sollte sich vor allem aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zusammensetzen. Das beste Getränk ist Wasser. Als Eltern könnt ihr euren Kindern helfen, gute Gesundheitsgewohnheiten zu entwickeln. Seid ein Vorbild!

Du kannst heute damit beginnen!

Medizinisches Zentrum der Adventisten in Bukarest eröffnet

Medizinisches Zentrum "Premed" in Bukarest, Rumänien. (Foto: CD EUDNews)

Medizinisches Zentrum “Premed” in Bukarest, Rumänien. (Foto: EUDNews)

(“Adventisten heute”-Aktuell, 7.11.2014) Am 29. Oktober eröffnete die Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Bukarest “Premed”, das erste medizinische Zentrum der Kirche in Rumänien. Es hat eine 2.500 Quadratmeter große Nutzfläche und beschäftigt 15 medizinische Fachkräfte. Mit einer Investition von 800.000 Euro sei “Premed” die wichtigste und vielfältigste Klinik in der Hauptstadt, die sich mit zeitgenössischer Prävention von Krankheiten befasse und natürliche Heilmethoden anbiete. “Premed” ist Teil der weltweit 700 medizinische Institutionen der Adventisten.

Unterstützung aus Berlin
Diese Klinik in Rumänien sei ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des adventistischen Gesundheitssystems in Europa und ermutige ihn sehr, sagte bei der Eröffnung Bernd Quoss, Geschäftsführer des adventistischen Akutkrankenhauses “Waldfriede” in Berlin. Dieser Schritt sei bedeutsam, weil die Kirche in Europa, im Gegensatz zu den USA, nur über wenige Gesundheitseinrichtungen verfüge. Das Spital in Berlin wolle sich mit seiner 90-jährigen Erfahrung engagieren und sich in der Zusammenarbeit einbringen.

Rehabilitation und Prävention
Das “Premed”-Zentrum bietet Rehabilitation, Physiotherapie, Physikalische Medizin und Anwendung von therapeutischen Bädern an. Zusätzlich gibt es im “Premed”-Zentrum 15 verschiedene Praxen mit Hausarztmedizin, Sonographie (EKG, medizinische Tests, Diagnose und Screening etc.), HNO, Zahnheilkunde, Audiologie, Beratung und Psychotherapie. “Neben den klassisch medizinischen Dienstleistungen werden wir Seminare zu gesundem Lebensstil, Ernährung und Kochkurse anbieten sowie jene unterstützen, die das Rauchen oder Trinken aufgeben wollen, ein Gewichtsreduktionsprogramm durchführen möchten oder psychologische und seelsorgerliche Beratung suchen”, sagte Svetlana Ciocarlan, Geschäftsleiterin des “Premed”-Zentrums.

“Obwohl die Medizintechnik viele Fortschritte gemacht hat und Krankenhäuser zunehmend fortschrittliche Technologien anwenden, nehmen die Krebserkrankungen immer noch zu. Prävention und gesunde Lebensweise sind die einzigen Methoden, um Krankheiten und Leiden zu verringern”, sagte Professor Dr. Daniel Ion, einer der Ärzte der Klinik.

Der Kauf der “Premed”-Klinik sei unter Mithilfe der Kirchenleitung der Adventisten in West- und Südeuropa, der rumänischen sowie der Kirchenleitung in der Walachei, der PopaTatu Kirche in Bukarest sowie einem privaten Sponsor getätigt worden.

Adventisten in Rumänien
In Rumänien, mit knapp 20 Millionen Einwohnern, feiern 66.300 erwachsen getaufte Adventisten in rund 1.100 Kirchen am Samstag (Sabbat), dem biblischen Ruhetag, den Gottesdienst. Sie unterrichten in sechs Primar- und Sekundarschulen rund 900 Kinder, unterhalten eine Theologische Hochschule, ein Ausbildungsinstitut für Krankenpflege sowie einen Verlag, ein Medienzentrum, eine Radio- und eine Fernsehstation. (APD)

Neu entdeckte Substanz hemmt Wachstum von Krebsgeschwulsten

Einer der Rädelsführer beim ungehemmten Wachstum von Krebszellen ist ein Eiweißstoff namens “Myc”. Innsbrucker Forscher haben nun in einem internationalen Team bei einer groß angelegten “Suchaktion” eine neue Substanz gefunden, die seine Aktivitäten stört und damit das Tumorwachstum im Maus-Modell stoppt. Die Studie wurde aktuell in der Fachzeitschrift “PNAS” veröffentlicht.

Myc reguliert in gesunden Zellen, wie oft wachstumsfördernde und -hemmende Gene vom Erbgut abgelesen werden. Bei fast allen Krebsarten beim Menschen ist seine Aktivität erhöht, was das Wachstum und die Vermehrung der Tumorzellen beschleunigt. Darum werden große Anstrengungen unternommen, um Myc in Krebszellen zu hemmen, erklärte Klaus Bister vom Institut für Biochemie der Universität Innsbruck im Gespräch mit der APA.

Vielversprechende Substanz gefunden

Die Forscher unter der Leitung von Peter Vogt und Kim Janda vom Scripps Research Institute in Kalifornien (USA) suchten Substanzen, die verhindern, dass Myc mit seinem Partner “Max” zusammenkommt, um gemeinsam an festgelegte Stellen im Erbgut anzudocken und bestimmte Zielgene zu aktivieren. Unter Hunderten Substanzen, die in einer “Molekül-Bibliothek” zur Verfügung standen, fanden sie vier, die die Bindung von Myc, Max und der Ziel-DNA störten. Die vielversprechendste namens “KJ-Pyr-9″ untersuchten sie genauer.

Stoppt Verbindung mit gefährlichem Eiweißstoff

Dabei fanden sie heraus, dass KJ-Pyr-9 tatsächlich die “Myc-Max-Liaison” behindert und die Zielgene bei Zugabe dieser Substanz nicht länger hoch-reguliert waren. Sie konnte auch verhindern, dass tierische Zellen im Laborexperiment durch gesteigerte Myc-Aktivität zu Krebszellen transformiert wurden.

Tumorzellen hörten auf zu wachsen

Schließlich gelang es ihnen, mit KJ-Pyr-9 das Wachstum menschlicher Tumorzellen zu stoppen: Krebsgeschwulste, die in Mäusen nach der Injektion von menschlichen Brustkrebszellen wucherten, hörten am achten Tag der Behandlung mit KJ-Pyr-9 auf zu wachsen.

Source: VOL.AT

Studie aus Kanada: Ungesättigte Fettsäuren im Fisch sind gar nicht gesund

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Essen Sie auch immer brav Ihren Fisch? Öfter als Fleisch? Mindestens ein Mal die Woche? Fisch gilt seit Jahrzehnten als gesunde Alternative zu Schweinenacken, Rindsteak und Leberwurst. Er ist reich an ungesättigten Fettsäuren, die den Cholesterin-Spiegel senken und vor Herzkrankheiten schützen sollen.

Jetzt kommt heraus: Das stimmt wahrscheinlich gar nicht. Mussten Generationen Leid geplagter Kinder die Schuppentiere umsonst herunterwürgen?

Kanadische Forscher haben nun bisherige Studien zu dem Thema gründlich geprüft und deren Ergebnisse teilweise sogar widerlegt. Die neue Studie erschien im “Canadian Journal of Cardiology”.

Eskimo-Studie an allem Schuld?

Angefangen hat der Mythos vom gesunden Fett im Fisch 1971 mit einer dänischen Studie über Ureinwohner der Polarkreis-Region, die man damals noch Eskimos nannte. Die Studie schien zu belegen, dass Polarkreis-Bewohner seltener an Herzleiden erkrankten und eine besonders hohe Lebenserwartung hatten. Die Forscher glaubten, das liege an einer Ernährung mit viel Fisch.

Dass in Grönland weniger Herz- und Kreislauferkrankungen gemeldet wurden, lag aber aus heutiger Sicht eher an mangelnder medizinischer Betreuung. Die Region ist dünn besiedelt, an vielen Orten gab es gar keinen Arzt, der die Krankheiten hätte feststellen können. Aktuelle Daten zeigen, dass Polarkreis-Bewohner etwa genauso häufig an Herz- oder Kreislaufleiden erkranken wie Europäer. Und dass es sogar mehr Schlaganfälle gibt. Außerdem haben sie eine um zehn Jahre kürzere Lebenserwartung als die Dänen.

Fett ist Fett

“Angesichts des schlechten Gesundheitszustands der Inuit ist es bemerkenswert, dass die Forscher, statt ihre Ernährung als gesundheitsgefährend zu bezeichnen, eine Behauptung konstruierten, dass die Aufnahme von Fett aus Fisch vor Herz-Kreislauferkrankungen schütze”, sagt Kardiologe George Fodor, der die neue Studie aus Kanada leitete.

Die positive Auswirkung von ungesättigten Fettsäuren auf die Herz-Gesundheit konnte in vielen seriösen Studien, die folgten, nie bewiesen werden. Einige Studien deuteten sogar eine negative Wirkung an.

Source: HUFFINGTONPOST

Fleisch ohne Fleisch – Lupine auf dem Tisch

Unbenannt

Frisches Fleisch erscheint im Laserlicht / Fleisch ohne Fleisch – Lupine auf dem Tisch / Bücher retten mit “flüssigem Papier” / Juris Welt – Ein Reflex bei vermeintlicher Gefahr / Hochsensibilität – Zu viele Reize

Interessanter Beitrag von Nano (3Sat) unter anderem über Fleisch. Ein neuartiges Lupinenfleisch wird vorgestellt.

Mehr Informationen über Jaap Korteweg und seine Idee:

http://www.vegetarianbutcher.com/about-us/the-concept

https://www.facebook.com/vegetarianbutcher

Uraltes Rätsel der Zellteilung gelöst

Göttinger Wissenschaftler entschlüsseln Mechanismus bei der Kondensation von Chromosomen


Sich teilende Zelle (rechts im Bild) mit blau eingefärbten Chromosomen.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der Leitung der Universität Göttingen hat einen zentralen Mechanismus der Zellteilung entschlüsselt.

Ein auffälliges Merkmal der Zellteilung ist die Kondensation oder Verdichtung von Chromosomen, die zwar bereits vor mehr als 130 Jahren beobachtet wurde, deren Mechanismus aber bislang nur andeutungsweise verstanden war. Den Göttinger Forschern gelang es nun erstmals, in einer sich teilenden Zelle eine Kraft nachzuweisen, die diesen Prozess vorantreibt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Die Wissenschaftler am Göttinger Zentrum für Molekulare Biowissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Neumann verwendeten einen Trick aus der Synthetischen Biologie, um zelluläre Proteine mit Aminosäuren – den Bausteinen der Proteine – auszustatten, die in der Natur nicht vorkommen.

Dadurch erhielten die Proteine besondere Eigenschaften, wie zum Beispiel die Fähigkeit, durch Bestrahlung Querverbindungen zu anderen Proteinen in der unmittelbaren Nachbarschaft aufzubauen. Die Forscher konnten so zum ersten Mal in einer intakten Zelle die Wechselwirkung zwischen Nukleosomen, den Grundbausteinen der Chromosomen, beobachten und zeigen, dass diese Wechselwirkung eine entscheidende Rolle bei der Kondensation der Chromosomen während der Zellteilung spielt.

„Darüber hinaus haben wir den Mechanismus ihrer Regulation identifiziert“, erläutert Prof. Neumann: Eine Kaskade von Signalen löst die Wechselwirkung zu Beginn der Zellteilung aus und unterdrückt sie nach deren Abschluss wieder.

„Fehler in diesem Prozess können chromosomale Veränderungen hervorrufen, eine der Hauptursachen für die Entstehung von Tumorzellen“, so Prof. Neumann. „Mit der Aufdeckung der Mechanismen und Kräfte, die die Kondensation von Chromosomen steuern, könnten sich neue Möglichkeiten zur Entwicklung von alternativen Therapieansätzen gegen Krebs eröffnen.“

Originalveröffentlichung: Bryan J. Wilkins et al. A Cascade of Histone Modifications Induces Chromatin Condensation in Mitosis. Science 2014. Doi: 10.1126/science.1244508.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Heinz Neumann
Georg-August-Universität Göttingen
Free Floater-Nachwuchsgruppe „Angewandte Synthetische Biologie“
Justus-von-Liebig-Weg 11, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-14088
E-Mail: hneumann@uni-goettingen.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/121502.html
Free Floater-Nachwuchsgruppe „Angewandte Synthetische Biologie“

Thomas Richter | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-goettingen.de