Volkskrankheit Migräne

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Täglich erleiden 100.000e Menschen alleine in Deutschland Migräneanfälle. Hier einige interessante und neuartige Möglichkeiten, diesen entgegenzuwirken. 

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Source: Spiegel.TV

 

Wie Schokolade glücklich macht

 Wie Schokolade die Stimmung hebt, können Bioinformatiker neuerdings mit einem Computermodell simulieren.

Bioinformatiker haben ein Computermodell entwickelt, das den Stoffwechsel der Aminosäure Tryptophan – die auch in der Schokolade enthalten ist – simuliert.

Gefüllte Lebkuchenherzen, Dominosteine, Schokoladennikoläuse – die süßen Vorboten der Weihnachtszeit stapeln sich schon seit einigen Wochen in den Geschäften. Schon beim Gedanken daran, wie die süße Leckerei auf der Zunge zergeht, versetzt manche Menschen in eine Art wohligen Glückszustand.

Diese Gefühl komme nicht von ungefähr, meint Stefan Schuster von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Bioinformatiker hat gemeinsam mit Forschern aus Norwegen ein Computermodell entwickelt, mit dem sich simulieren lässt, was in unserem Körper abläuft, wenn wir die Aminosäure Tryptophan – die in der Schokolade enthalten ist – zu uns nehmen. Das bislang umfassendste Modell des komplexen Stoffwechsels von TryptophanIn wurde nun in der aktuellen Ausgabe des “Journal of Biological Chemistry” präsentiert.

“Aus Tryptophan entsteht im Körper Serotonin”, erläutert Schuster. Serotonin ist wiederum ein Hormon beziehungsweise ein Botenstoff im Gehirn, der ein Wohlgefühl auslöst. Da unser Körper selbst Tryptophan nicht herstellen kann, müssen wir es mit der Nahrung aufnehmen –  etwa aus Sojabohnen, Geflügel oder eben Kakao und Schokolade. Doch nicht nur als “Zutat” für Glücksmomente braucht der Mensch Tryptophan. Auch für das Schlafhormon Melatonin ist die Aminosäure der entscheidende Baustein. “Abbauprodukte von Tryptophan spielen wiederum bei einigen neurodegenerativen Erkrankungen sowie bei Alterungsprozessen eine Rolle”, macht Schuster die Vielfalt der Wirkungen deutlich.

Auswirkungen auf gesamten Metabolismus testen

Der komplexe Tryptophan-Stoffwechsel war bislang biochemisch zwar weitgehend bekannt, “allerdings lässt sich erst anhand eines Computermodells das Zusammenspiel der Einzelreaktionen und Zwischenprodukte sowie ihrer Regulationsmechanismen als Gesamtsystem erfassen”, ist Ines Heiland, eine der Erstautorinnen der Studie, überzeugt.

Für ihr Modell des Tryptophan-Stoffwechsels im Menschen haben die Bioinformatiker umfangreiche experimentelle Daten zum Ablauf der weit verzweigten Stoffwechselwege und der dazugehörenden Transportvorgänge zusammengetragen. Diese wurden anschließend in ein Gesamtmodell integriert, das es nun erstmals ermöglicht, detailliert die Wirkungen von Tryptophan und seiner Stoffwechselprodukte in einzelnen Geweben oder Organen realitätsnah zu simulieren.

Anwendungsmöglichkeiten sehen die Forscher vor allem in der medizinischen Diagnostik und bei der Entwicklung neuer Therapien für neurodegenerative Erkrankungen – wie etwa Parkinson oder Alzheimer. Das Computermodell soll vor allem helfen, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen. “Wir können daran auch testen, an welchen Stellen des Stoffwechsels regulierend eingegriffen werden kann und wie sich diese Veränderungen auf den gesamten Metabolismus auswirken”, ergänzt Ines Heiland.

Source: Der Standard Photo Credit: J-P. kasper/fsu

Rotwein verlängert doch nicht das Leben

red wine

Schlechte Nachrichten für Liebhaber von Rotwein und Schokolade: Das in den Lebensmitteln enthaltene Resveratrol, dem ein Gutteil der gesundheitsfördernden Wirkung zugeschrieben wurde, scheint – zumindest beim Menschen – wirkungslos.

Das ergab eine Studie von Medizinern der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, die die Wirkung des sekundären Pflanzenstoffs an knapp 800 Bewohnern der Region Chianti in Italien überprüft haben und keine Unterschiede hinsichtlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Entzündungen und Krebses feststellen konnten.

Schutz für die Zellen

Man nennt es das “Französische Paradoxon”: Das Essen der Franzosen gestaltet sich gemeinhin nicht nur üppig, sondern auch reich an gesättigten Fettsäuren – Gift für die Gefäße, möchte man meinen. Dennoch liegt in Frankreich die Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter jener in vergleichbaren westeuropäischen Ländern. Erklärt wurde dieses Phänomen vor allem mit dem regelmäßigen Rotweinkonsum und dem im Wein vorhandenen Resveratrol.

Dieser unter anderem in Weintrauben vorhandene sekundäre Pflanzenstoff wirke antioxidativ, also die Zellen schützend, hieß es – und diese Behauptung wurde auch in Studien nachgewiesen. Einziger Haken: Bei diesen Untersuchungen handelte es sich um Zell- oder Tierstudien. Der Nachweis am Menschen blieb auch deshalb aus, weil erst vor wenigen Jahren eine Methode zur exakten Bestimmung des Resveratrolkonsums entwickelt wurde: Dabei misst man die Konzentration der Stoffwechselprodukte des Weininhaltsstoffs im Urin.

Kein Zusammenhang

Mit dieser Methode wollten die Forscher um den Mediziner Richard Semba die Hypothese überprüfen, ob Resveratrol tatsächlich gut für die Gesundheit ist. Dazu analysierten sie im Rahmen regelmäßiger Stichproben den Urin von 783 Männern und Frauen, die an der Studie “Altern in der Chianti-Region” teilnahmen.

Über neun Jahre erhoben die Mediziner den Gesundheitszustand der Versuchspersonen, setzten die Menge von Resveratrol in Beziehung und erwarteten, dass die Gesundheit umso besser wäre, je mehr Stoffwechselprodukte nachweisbar waren. Allein: Der Zusammenhang zeigte sich nicht. Weder bei jenen, die im Untersuchungszeitraum starben, noch bei den erkrankten Versuchspersonen ließ sich ein Zusammenhang zu einem niedrigen Resveratrollevel herstellen – genauso wenig, wie sich bei den gesunden Menschen ein hoher Spiegel nachweisen ließ. Als Krankheiten definierten die Forscher chronische Entzündungen, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Großes Geschäft

“Im Gegensatz zu all unseren Hypothesen zeigte sich keinerlei Zusammenhang”, stellen die Mediziner angesichts der ihres Wissens ersten großen epidemiologischen Studie zu dieser Frage überrascht fest – nicht ohne auf das Geschäft hinzuweiden, das mittlerweile mit dem von Resveratrol als Lebensmittelzusatz gemacht wird: Allein in den USA werden damit laut Studie 30 Millionen US-Dollar umgesetzt. Das “Französische Paradoxon” bleibt damit freilich ungelöst und harrt neuer Erklärungsversuche.

Elke Ziegler, science.ORF.at

Die Studie

“Resveratrol in Red Wine, Chocolate, Grapes Not Associated With Improved Health” ist am 12. Mai 2014 im Fachmagazin “JAMA Internal Medicine” erschienen (DOI:10.1001/jamainternmed.2014.1582).