Demenz: Grazer Forscher entdecken „Sprit fürs Hirn“

Probleme im Alltag, eingeschränktes Urteilsvermögen, Vergesslichkeit: Demenz ist eine schleichende Krankheit, von der in Österreich rund 100.000 Personen betroffen sind. Grazer Forscher haben nun ein natürliches Mittel dagegen entdeckt.

Es beginnt meist mit kleinen Erinnerungslücken und kann schnell das gesamte Umfeld überfordern: Demenz betrifft immer mehr Menschen. Wissenschaftler der Grazer Karl-Franzens-Universität sagen nun der Substanz Spermidin in der künftigen Behandlung von Demenz eine wichtige Rolle voraus.

Spermidin stimuliert Abbau von „zellulärem Schrott“

Spermidin findet sich laut Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz in allen Körperzellen – in besonders hoher Konzentration in Sperma, zudem in Soja, Weizen und Grapefruits. Seine Konzentration nimmt jedoch bei verlangsamtem Stoffwechsel und während des Alterns kontinuierlich ab. Ebenso verringert sich die Fähigkeit des Körpers, geschädigte Proteine und defekte Mitochondrien – die „Kraftwerke“ der Zellen – abzubauen.

Der Körper könne „zellulären Schrott“ mittels der Autophagie entsorgen, so Madeo: „Dieser Prozess baut die in den Zellen angesammelten fehlerhaften Proteine und anderen schadhaften Zellbestandteile ab und führt sie dem zellulären Magen zu, wo sie aufgelöst werden“. 2009 fanden die Grazer Forscher bereits heraus, dass Spermidin diesen Prozess stimuliert und demnach die Zellalterung bremst.

Fruchtfliegen mit besserem Erinnerungsvermögen

Diese Erkenntnis machten sich der Grazer Biowissenschaftler und sein Berliner Forscherkollege Stephan J. Sigrist nun auch bei der Erforschung von Alterserkrankungen wie der Demenz zunutze. Verursacht wird diese nach aktuellem Forschungsstand durch verklumpte Proteine, die sich im Gehirn ablagern. Die Forscher untersuchten daher an Fruchtfliegen im Labor, ob das altersbedingte Sinken der Gedächtnisleistung durch Gabe von Spermidin rückgängig gemacht werden kann.

„Nachdem wir ältere Fruchtfliegen mit Spermidin gefüttert hatten, war ihre Erinnerungsfähigkeit viel besser“, schildern Madeo und Sigrist. Die Forscher beobachteten, wie schnell die Fliegen aus bestimmten Reizen lernen und welche Spermidinspiegel damit korrelierten: „Während ältere Fliegen im Vergleich zu jüngeren weniger erfolgreich lernen, hatten die älteren Fliegen, die mit Spermidin gefüttert wurden, kein Defizit. Sie erfüllten ihre Aufgabe gleich gut wie juvenile Fliegen“, so Madeo.

Nächstes Ziel: Patientenstudien

Er zieht daraus den Schluss, dass die Autophagie tatsächliche auch in Zusammenhang mit altersbedingten Veränderungen eine wichtige Rolle spielt und Spermidin eine wichtige Substanz bei der Demenztherapie sein könnte. Als nächstes Ziel haben die Forscher Patientenstudien anvisiert.

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Quelle: orf.at